Nicole Matzner

Praxis für Psychotherapie

Was tun, wenn die Seele krank ist?

Seit einiger Zeit berichten die Medien, dass immer mehr Menschen an psychischen Störungen leiden. Gemeint sind damit seelische Reaktionen auf äußere Belastungen oder Lebenskrisen, wie Stress und Hektik in Job und Alltag, ständige Erreichbarkeit durch Mobiltelefone, Sorgen um die Sicherheit des Arbeitsplatzes, finanzielle Engpässe, familiäre Probleme und anderes.

Treten solch veränderte Lebensumstände auf, reagiert jeder Mensch individuell. Dabei spielen die Erfahrungen, die er bisher in seinem Leben mit der Bewältigung von Problemen gemacht hat eine große Rolle. So finden einige rasch selbst passende Lösungen. Andere beziehen Partner, Familie und Umfeld ein und holen sich dort Verständnis und Hilfe. Und wieder andere bemühen sich durchzuhalten, bis die Lage sich verbessert. Dann, nach erfolgreich bewältigter Krise, kehrt man wieder zur Tagesordnung zurück.

 

Dauern die widrigen Umstände aber über längere Zeit an oder es treten Mehrfachbelastungen auf, können auch erprobte Bewältigungsstrategien versagen. Das hat weitreichende Folgen für die Betroffenen selbst, ihre Familien und, durch Fehlzeiten bei der Arbeit, die Gesellschaft.

Durch die Überlastung, entwickeln sich häufig Symptome wie Kopfweh, hoher Blutdruck, Verdauungs-Beschwerden, Schlafstörungen, Burn-out, Depressionen und Ängste.

Bei körperlichen Beschwerden ist es für viele Menschen selbstverständlich einen Arzt aufzusuchen. Dagegen besteht bei seelischer Not jedoch meist eine große Scheu, sich früh genug Hilfe zu holen, bevor aus einem „kleinen Tief“ eine ausgewachsene Befindlichkeitsstörung wird.

Diese Verzögerung kann verschiedene Gründe haben: In einer Gesellschaft, die vorwiegend auf Leistung und Erfolg ausgerichtet ist, gilt es als schwach, nicht zu funktionieren. Insbesondere dann, wenn eine Krankheit vorliegt, die man nicht sehen oder erklären kann. Deshalb reagieren Betroffene, aber auch das Umfeld, mit immer mehr Unverständnis und Ungeduld, je länger diese Phase andauert. Durchhalteparolen, die man teilweise seit der Kindheit kennt, bewirken Schuldgefühle und Scham. Diese Gefühle werden noch verstärkt durch den Gedanken, dass es ja eigentlich keinen Grund zu jammern gibt.  Hier sind einige Beispielsätze: „Stell dich nicht so an!“, „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“, „Ich darf den Anderen nicht zur Last fallen!“, „Ich bin ein Versager!“, „Vielen geht es noch schlechter!“.

Ein weiteres Motiv länger zu warten, ist das weit verbreitete Vorurteil, als verrückt abgestempelt und deshalb aus der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden.

Und so haben Betroffene oft einen langen Leidensweg hinter sich, bevor die psychische Belastung schließlich doch zu groß wird und sie sich an den Hausarzt wenden. Zunächst prüft dieser, ob es rein körperliche Ursachen für die Beschwerden gibt, die mit Medikamenten behandelt werden können. Ist dies nicht der Fall kann er vorschlagen, eine Kur zu beantragen oder eine Psychotherapie zu beginnen. Ziel ist es in beiden Fällen, eine Besserung oder Heilung der Leiden zu erreichen.

Eine Kur erfolgt meist stationär über mehrere Wochen, die Kostenübernahme (Renten- oder Krankenversicherung) muss vorab geklärt werden. Den Antrag hierfür stellt man, mit Unterstützung des Arztes, selbst. Die Behandlung in der Klinik wird von Psychotherapeuten und Ärzten gleichermaßen durchgeführt.

Möchte der Betroffene eine Psychotherapie beginnen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Liegt nach gesetzlicher Definition eine behandlungswürdige Störung vor (Kriterien sind Anzahl und Schwere der Symptome), werden die Kosten für Verfahren wie Psychoanalyse, Tiefenpsychologische Verfahren und Verhaltenstherapie bei approbierten, kassenärztlich anerkannten Therapeuten (Psychiatern, Psychologischen Psychotherapeuten) von der Krankenkasse übernommen. Einen ersten Termin bekommt man zum Teil oft erst nach sehr langer Wartezeit.
  • Die zweite Variante ist die Behandlung bei nicht von der Kasse anerkannten Therapeuten (Psychotherapeuten ohne Zulassung, Heilpraktiker für Psychotherapie), die von der Krankenkasse nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen erstattet wird. Ob Zusatzversicherungen einen Teil der Leistung übernehmen, sollte im Einzelfall vorab erfragt werden.

Selbst bezahlen zu müssen ist für viele Betroffene ein ausschlaggebendes Argument gegen diese Option. Dabei werden die Vorteile, von einer Kostenzusage unabhängig zu sein, oft nicht berücksichtig oder sind einfach nicht bekannt.

Die Vorteile sind:

  • Die Betroffenen müssen nicht warten, bis sie „krank“ genug sind, um Anspruch auf Hilfe zu haben.
  • Durch frühzeitige Interventionen kann es gelingen, schnell wieder eine Steigerung der Lebensqualität zu erreichen.
  • Es wird eine belastende Diagnose vermieden, die über Jahre in der Krankenakte steht und manchmal bürokratische Folgen nach sich zieht.
  • Die Motivation während der Therapie ist oft viel größer, wenn man selbst einen finanziellen Beitrag dazu leistet.
  • Die Wartezeit bis zum ersten Termin kann sehr unterschiedlich sein, ist bei Heilpraktikern für Psychotherapie aber meist deutlich kürzer.

Psychotherapeuten ohne Zulassung bieten in der Regel die bereits oben erwähnten Verfahren an, Heilpraktiker für Psychotherapie sind an keine bestimmte Therapierichtung gebunden. Je nach Zusatzausbildungen kann sich das Angebot aus verschiedenen Therapieformen zusammensetzen. Einige davon sind z.B. Gesprächstherapie, Pesso-Therapie, Energetische Therapie („Klopfen“), Focusing, Voice Dialogue,  Hypnotherapie, Lösungsorientierte Therapie, Entspannungstechniken und weitere.

Wie eine Therapie abläuft und was deren Inhalt ist, wird zwischen Klient und Therapeut zu Beginn besprochen. Es gibt aber ein Grundgerüst an das sich Therapeuten im Allgemeinen halten. Zunächst werden fünf probatorische Sitzungen vereinbart, während der sich Klient und Therapeut in Gesprächen kennenlernen. Spätestens beim fünften Termin wird geklärt, ob es eine gemeinsame Basis für eine Arbeitsbeziehung gibt. Wenn die „Chemie“ nicht stimmt oder es andere persönliche Gründe gibt, werden keine weiteren Termine vereinbart und der Betroffene wendet sich an den nächsten Therapeuten.

Wie wichtig es ist, gerade in diesem Punkt sorgfältig zu sein, erklärt sich aus der Psychotherapieforschung. Es wurde festgestellt, dass gerade die gute Beziehung zwischen Klient und Therapeut, maßgeblich zum Gelingen der Therapie beiträgt. Durch Offenheit und Zusammenarbeit auf beiden Seiten werden das Vertrauen und die Zuversicht gefördert, erfolgreiche Lösungen zu finden und diese im Alltag zu integrieren.

Sollte der Therapeut feststellen, dass er die Anforderung des Klienten nicht erfüllen kann, ist er verpflichtet, den Klienten an einen anderen Behandler zu verweisen.

Wenn die Voraussetzungen für eine gemeinsame Arbeit stimmen, legen beide in gemeinsamer Absprache die Ziele für die Therapie fest und beginnen mit der Intervention.

Die Dauer der Behandlung kann sehr unterschiedlich sein. Bei einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist die Stundenzahl für das jeweilig genehmigte Verfahren festgelegt. Eine Verlängerung ist durch die Stellung eines entsprechenden Antrags möglich. Bei anderen Therapieformen gibt es keine zeitliche Vorgabe. Hier richtet sich die Dauer der Therapie nach dem Verlauf der Beschwerden und der Ausprägung der Symptome.

Wie groß die Abstände zwischen den einzelnen Terminen sind, richtet sich danach, wie brisant die Lage ist: Je akuter, desto häufiger. Zu Beginn kann das 2x wöchentlich sein, später 1x pro Woche oder alle 14 Tage. Gegen Ende vergrößern sich die Abstände weiter. Man schleicht die therapeutische Unterstützung langsam aus, beendet sie aber erst ganz, wenn die vereinbarten Ziele erreicht sind.

Falls Sie auch einer der oben Betroffenen sind, hoffe ich, dass Ihnen der Artikel Mut gemacht hat.

Veröffentlicht in Sprechstunde

HPP Matzner  -  Allerheiligenstraße 19  -  77855 Achern  -  Telefon: 0 78 41 / 67 31 652  -  E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!